Inrate AG

Die Generalversammlungssaison 2018 im Rückblick

Bereits zum zehnten Mal erschien dieses Jahr die zRating-Studie zur Corporate Governance in Schweizer Publikumsgesellschaften. zRating hat in diesem Jahr die Corporate Governance von 176 börsenkotierten Schweizer Gesellschaften anhand von 59 Kriterien analysiert. Die Analyse basierte dabei auf den Geschäftsberichten 2017 und den Generalversammlungen 2018. Die Kriterien wurden in einem Scoring-Modell gewichtet und mit Punkten bewertet. Die Summe der Punkte betrug dabei maximal 100.

Die Topplatzierten der diesjährigen Gesamtrangliste

Die höchsten Punktzahlen erreichten Sunrise Communications (87 Punkte), gefolgt von Burkhalter (81 Punkte) und Schaffner (79 Punkte). Während Sunrise Communications schon im Vorjahr den dritten Rang erreicht hatte, ist Burkhalter um 67 Plätze vorgerückt. Sika konnte infolge der Beschlüsse an der ausserordentlichen GV vom 11. Juni 2018 sogar 126 Plätze gutmachen. Ebenfalls nennenswert ist die Steigerung von HIAG Immobilien um 65 Plätze. Alle vier Unternehmen haben eine umfangreiche Statutenrevision vorgenommen und insbesondere die Mitwirkungsrechte der Aktionäre gestärkt. Bei Sunrise, Burkhalter und HIAG wurde die Dekotierungskompetenz vom VR an die GV delegiert. Christophe Volonté, Head Corporate Governance bei Inrate, meint dazu: «Unternehmen können sich auch ohne Aktienrechtsrevision in die richtige Richtung bewegen, da die Gesellschaftsstatuten die nötigen Freiheiten lassen.» In diesem Zusammenhang gibt es aber noch viel Spielraum nach oben. Minderheitsaktionäre sollten durch unbeschränkte und transparente Nominee-Eintragung oder bestimmte Wahlmodi wie «Mehrheit-der-Minderheit» bei der VR-Wahl mehr Einfluss bekommen. Zudem sollte der ganze Abstimmungsprozess durch die Blockchain-Technologie verbessert werden.

Verwaltungsräte schliessen Kompetenzlücken in Digitalisierung

Die Beurteilung der Verwaltungsräte erfolgt häufig in Bezug auf deren Unabhängigkeit (inkl. Nähe zu Grossaktionären oder andere Interessenkonflikte), den Anteil von Frauen, der Anzahl von Drittmandaten der Mitglieder und deren Amtszeit oder Alter. Der eigentlich wichtigste Faktor, die Kompetenz der Verwaltungsräte, wird erstaunlicherweise oft vernachlässigt. So berücksichtigt zRating gemäss unseren Erkenntnissen als erster und einziger Stimmrechtsberater seit 2017 systematisch die Kompetenzen der VR-Mitglieder und trägt damit zu einer umfassenderen VR-Beurteilung bei. Die Geschäftswelt ist heute schneller, komplexer und internationaler. Es ist deshalb wichtig, dass dies im Verwaltungsrat reflektiert ist, der Verwaltungsrat breit aufgestellt ist und möglichst viele Kompetenzen vereint. 2018 konnten 13 Gremien ihre Kompetenzlücken ganz schliessen. Bei 20 % der Gremien sind nun alle Kompetenzen vorhanden gegenüber 14 % im Vorjahr. Die Lücken betrafen vor allem die Digitalisierungskompetenz. Rund 20 % aller neugewählten Mitglieder verfügen über Digitalisierungskompetenzen (10 % der bisherigen Mitglieder).

Weitere bedeutende Erkenntnisse der zRating Studie 2018

Die zRating Studie 2018 beleuchtet zudem bedeutende Erkenntnisse über ESG Kriterien in Vergütungssystemen, Shareholder Engagement, Verwaltungsratsstrukturen und Minderheitsaktionäre im Kontext von VR-Wahlen in Form von fünf Themenschwerpunkten. Des Weiteren wird die Gesamtrangliste des diesjährigen zRatings präsentiert, unsere einzigartige Methodik erklärt und der Kriterienkatalog, der dem zRating zugrunde liegt, beschrieben und erläutert.

Weiter hat Inrate dieses Jahr einen eigenständigen Fachrat «zRating» etabliert. Das Hauptziel des Gremiums ist es dabei, die Entwicklung der Corporate Governance aus verschiedenen Blickwinkeln zu erfassen. Die unabhängige Expertensicht soll die Weiterentwicklung und die Qualitätssicherung der Stimmempfehlungen (Richtlinie) und des Governance-Ratings (Kriterienkatalog) sicherstellen.